Kendu Bay
Kendu Bay liegt als kleine Ortschaft mittlerweile etwa zwei bis drei Kilometer entfernt vom Lake Victoria. Während noch vor Jahren der See regelmäßig die ufernahen Gebiete überflutet hat, zieht er sich nun mehr und mehr zurück. Durch die langanhaltenden Dürreperioden fließt immer weniger Wasser in den See. Und doch ist Kendu Bay ein Fischerdorf.
Hier in der Provinz Nyanza lebt hauptsächlich das Volk der Luo. Eigentlich sind sie ein Volk der Fischer, doch mittlerweile haben auch viele eine kleine Shamba (Gartengrundstück) von dem sie leben. Obwohl offiziell in Kenia verboten, praktiziert das Volk der Luo weiterhin die Polygamie. Dies ist mit ein Grund, warum die AIDS - Häufigkeit in der Provinz Nyanza mit die Höchste in Kenia aufweist. Das bedeutet, dass auch die AIDS Sterblichkeit hier besonders hoch ist. Zurück bleiben die Kinder, welche meistens von deren Großmütter versorgt werden.
Der Lake Victoria gehört mit zum Ostafrikanischen Grabenbruch. Das Klima ist hier oft feucht und heiß. Ideale Bedingungen für Malaria. Die Sterblichkeit aufgrund von Malaria ist ebenfalls hoch. Ebenso kann Malaria Epilepsien auslösen.
Noch bis vor ein paar Jahren schien es, als hätte die kenianische Regierung Kendu Bay vollständig vergessen. Die Straße entlang des Lake Victorias von Kisumu nach Homa Bay führend, war eine einzige Katastrophe. Unbefestigt, zeigte sie da, wo sie einst geteert war, mehr Schlaglöcher auf als fahrbare Fläche. Ideale Bedingungen für Raubüberfälle. Die Straße von Kendu Bay nach Kisumu galt als Eldorado für Strassenräuber. Vor etwa zwei Jahren wurde die Straße neu angelegt, befestigt und geteert. Die Raubüberfälle gingen schlagartig zurück. Die Fahrzeit von Kendu Bay nach Kisumu verkürzt sich von einst zwei oder drei Stunden auf nun stark eine Stunde. Ganz aktuell wird gerade die Straße von Kendu Bay nach Homa Bay neu gebaut.
Fährt man von Kisumu kommend in die Ortschaft ein, so ist man fast schon wieder draußen. Gerade mal etwa zweihundert Meter lang ist die Hauptgeschäftsstraße mit einer Kreuzung. Die abgehende Straße ist noch im abenteuerlichen Urzustand und führt hinauf zu unserem Waisenhaus und dann weiter nach Oyugis .Wieviele Menschen in Kendu Bay leben weiss ich nicht. Viele, viele kleine und manchmal auch größere Shambas bilden einen großen "Flichenteppich" rund um die Ortsmitte. Immerhin gibt es zwei Tankstellen im Ort. Das Big Five ist wohl die Bekannteste. Ist doch der Tankstelle direkt angeschlossen ein Hotel mit Disco und einem Restaurant, in dem man vorzüglichen Talipia Fisch essen kann.
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Seit etwa zwei Jahren wurde die Gemeinde auch an die Stromversorgung angeschlossen. Allein, die wenigsten können sich den Anschluss leisten. Etwa 300 bis 350 Euro würde ein Hausanschluss kosten. Was die Stromrechnung einmal ausmachen soll, erschien mir bei meinem letzten Besuch, weitgehend unklar. So bleibt es halt nachts auch weiterhin weitverbreitet dunkel in Kendu Bay.
Ein weiterer Fortschritt für die Gemeinde bildet die Verlegung einer zentralen Wasserleitung. Doch auch hier stellt sich die Frage, wer kann sich dies finanziell leisten. Hinzu kommt, dass wenn es Trockenzeit ist, auch die Wasserzufuhr über die Wasserleitung nicht funktioniert. Was bleibt ist der Wassertransport mit dem Esel oder das Sammeln von Regenwasser.
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Und doch scheint vieles voran zu gehen in Kendu Bay. Seit etwa zwei Jahren engagieren sich die Chinesen verstärkt in Kenia. Enorme Geldsummen flielßen in das ostafrikanische Land. Straßen werden gebaut, die Elektrizitätsversorgung verbessert, Bewässerungsprojekte geschaffen und damit auch Arbeitsplätze. Kendu Bay profitiert von diesem Engagement. Der Hauptfluss durch Kendu Bay wird reguliert und über ein verzweigtes unterirdisches Kanalsystem der gezielten Bewässerung zu geführt. Anscheinend ist geplant, wie bereits in der Nähe von Kisumu, Reis anzupflanzen. Im Gegenzug scheinen die Chinesen die Schürfrechte für Bodenschätze erhalten zu haben.
Durch die verbesserte verkehrstechnische Anbindung nimmt auch die Geschäftigkeit in Kendu Bay zu.
Doch abseits von all dem Fortschritt lebt weiterhin Armut, Krankheit, Hunger und Hoffnungslosigkeit in vielen traditionellen Rundhütten der Menschen.








